Interview

Dr. med. univ. Mohammad Baghaei:

"Stundenlanges Sitzen gefährdet unsere Gesundheit!"

Dr. med. univ. Mohammad Baghaei ist Arzt für Allgemeinmedizin und Facharzt für Neurologie. Derzeit arbeitet er in der Privatklinik Rudolfinerhaus in Wien.

Im Interview mit Dominic Rinkel spricht er über Bewegung.

Dominic Rinkel: Herr Dr. Baghaei, wie beeinflusst stundenlanges Sitzen unseren Körper?

Dr. med. univ. Mohammad Baghaei: Stundenlanges Sitzen gefährdet unsere Gesundheit. Passivität durch Sitzen wirkt sich negativ auf die Spannung und Leistungsfähigkeit unserer Muskulatur aus. Fehlhaltungen werden begünstigt, die Muskeln verkürzen und schmerzen. Überlastungen des Bewegungsapparates, Schwindel, Kopfschmerzen sowie Rückenbeschwerden sind unter anderem die Folge.

Bewegen wir uns wirklich so wenig?

Die meisten Menschen bewegen sich weniger als sie glauben. Sie nehmen den Aufzug anstelle der Treppe, fahren mit dem Auto oder der Bahn zur Arbeit und sitzen sowohl in der Freizeit wie auch im Büro. Wir sitzen im Durchschnitt sieben bis acht Stunden am Tag. Junge Erwachsene sogar 9 Stunden. Deswegen ist es unheimlich wichtig, während des Sitzens regelmäßig gezielte Bewegungen durchzuführen, um den negativen Folgen des Sitzens entgegen zu wirken.

Es gibt also weniger gesundheitsgefährdendes Sitzen.

Ja, dynamisches Sitzen. Bewegung im Sitzen ist von großem Vorteil. Die Durchblutung wird angeregt, die Muskulatur wird trainiert und bleibt somit elastisch. Dies hilft unter anderem, Verspannungen und Rückenschmerzen vorzubeugen. Wichtig ist es also, starres Sitzen zu unterbrechen. Am besten ist es, nie länger als maximal 1 Stunde in einer starren Haltung zu sitzen.

Hilft Sport als Ausgleich?

Die allgemeine Annahme, dass Vielsitzer gesundheitliche Risiken mit Sport ausgleichen können ist nur bedingt richtig. "Bewegungsarmut" über mehrere Stunden hinweg lässt sich durch Sport nicht aufwiegen. Auch zwei bis dreimal eine Stunde Sport pro Woche reichen entgegen der allgemeinen Annahmen nicht aus, um die gesundheitlichen Gefahren des Sitzens auszugleichen. Der Grund hierfür sind die sehr langen Phasen der Inaktivität.

Können Sie noch einmal zusammenfassen, was Sie Menschen in sitzenden Tätigkeiten empfehlen?

Vermeiden Sie einseitige Haltung und sitzen Sie nicht zu lange in gleicher, starrer Haltung am Arbeitsplatz. Machen Sie zum Ausgleich Übungen um Ihre Muskulatur zu lockern. Mit regelmäßigen Übungen können Sie Überlastungen des Bewegungsapparates verhindern. Nehmen Sie zusätzlich doch auch mal die Treppe und stehen Sie beim nächsten Telefonat einfach einmal auf. Ausgewogenes Bewegungsverhalten ist essenziell für einen fitten und leistungsfähigen Körper.